Die Globalisierung existierte schon im 12. Jahrhundert

Die Globalisierung existierte schon im 12. Jahrhundert

Der Begriff der Globalisierung, für die einen ein Hoffnungsträger, für die anderen ein Schreckgespenst, dient nach der Überzeugung von Daniel Goeudevert ganz überwiegend als ein Vorhang, der ein Geschehen verdecken soll, das mit Haushaltung, das heißt mit vernünftigen und verantwortlichen Wirtschaften, nicht mehr viel zu tun hat. Er schreibt: „Der Begriff ist eine Wortblüte, die ähnlich wie die Blüten der Seerosen von den zehrenden Vorgängen unterhalb der Oberfläche ablenkt.“ Die Globalisierung ist seiner Meinung nach eine Blendung und eine interessengeleitete Erfindung. Denn das, was die modernen Ökonomen darunter verstanden wissen wollen, existiert entweder gar nicht, wie ein freier, durch und durch liberalisierter Welthandel, oder es gibt es schon seit vielen hundert Jahren. Der Topmanager Daniel Goeudevert war Vorsitzender der deutschen Vorstände von Citroën, Renault und Ford sowie Mitglied des Konzernvorstands von VW.

Die moderne Ökonomie war von Anfang an eine globale

Daniel Goeudevert weist darauf hin, dass der grenzenlose Warenverkehr und die internationale Arbeitsteilung schon sehr alt sind. Felle aus Russland, Wolle aus England, Gewürze aus Indien und vieles mehr wurde bereits im 12. Jahrhundert in Hafenstädten gehandelt, die an Europas Flüssen und Küsten aufblühten. Er schreibt: „Dieser überregionale Wirtschaftsverkehr, der das Alltagsleben der Menschen tatsächlich massiv veränderte – der die Märkte öffnete, der Banken und Versicherungen entstehen ließ, der auf einheitliche Regeln und anerkannten Währungen beruhte, der die Arbeitsteilung immer stärker ausdifferenzierte –, war überhaupt der Beginn der modernen Ökonomie, die damit praktisch von Anfang an eine globale war.“

Insofern ist die Globalisierung laut Daniel Goeudevert durchaus nichts Neues. Er gibt allerdings zu, dass der grenzüberschreitende Handel seit etwa 200 Jahren sowie ganz verstärkt in den letzten 50 Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat. Diesen Bedeutungszuwachs verdankt die Globalisierung seiner Meinung nach den seit einigen Jahrzehnten rapide sinkenden Transport- und Kommunikationskosten.

Heute sind Macht und Reichtum das Konzentrat der Globalisierung

Zudem verbreiteten sich globale Kommunikationsnetze und Transportwege, wodurch viele neue Absatzmöglichkeiten, Produktionsbedingungen sowie Vermarktungsstrategien überhaupt erst entstanden sind. Daniel Goeudevert schreibt: „Insbesondere in der Zeit zwischen 1960 und 1980 ging es mit der gesamten Weltwirtschaft erfreulich voran.“ In diesem Zeitraum betrug damals in Lateinamerika das Wachstum pro Kopf 78 Prozent, in Schwarzafrika immerhin noch 39 Prozent. In den arabischen Staaten verdreifachte sich die Wirtschaftskraft sogar.

Doch die alte Globalisierung, also eine Internationalisierung der nationalen Volkswirtschaften, von der alle profitiert haben, hat es laut Daniel Goeudevert vielleicht bis 1980 gegeben. Die neue Globalisierung ist für ihn nicht mehr eine politische sondern ein ökonomische Ideologie. Daniel Goeudevert schreibt: „Was die so genannte Globalisierung heute wirklich ausmacht, sind Konzentrationsprozesse von Macht und Kapital. Das heißt, diejenigen, die Macht haben und über Kapital verfügen, missbrauchen die Globalisierung. Sie erklären sie zu einer Art naturgesetzlichem Zusammenhang – Globalismus –, in dem nur die Starken überleben können.“

Von Hans Klumbies

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