Der Staat muss in die Märkte regulierend eingreifen

Joseph Stiglitz glaubt, dass Märkte zwar im Zentrum einer jeden erfolgreichen Volkswirtschaft stehen, aber aus eigener Kraft nicht richtig funktionieren. Damit steht er in der Tradition des berühmten britischen Ökonomen John Maynard Keynes, der die moderne Volkswirtschaft maßgeblich geprägt hat. Joseph Stiglitz schreibt: „Der Staat muss eine Rolle spielen, nicht nur, um die Wirtschaft zu retten, wenn Märkte versagen.“ Der Staat muss regulierend eingreifen, um jene Art des Versagens zu verhindern, wie sie Europa und die USA gerade erleben. Joseph Stiglitz strebt in einer Volkswirtschaft ein Gleichgewicht zwischen Markt und Staat an, in der sowohl nicht marktgestützte wie auch nichtstaatliche Organisationen eine wichtige Rolle spielen müssen. Joseph Stiglitz war Professor für Volkswirtschaft unter anderem an den Universitäten von Oxford und Yale. Ab 1993 Wirtschaftsberater der Clinton-Regierung und anschließend Chefvolkswirt der Weltbank. Im Jahr 2001 wurde Joseph Stiglitz mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.

Die Krise widerlegt die Annahmen des Marktfundamentalismus

Im vergangenen Vierteljahrhundert hat Amerika dieses Gleichgewicht verloren, und seine unausgewogenen Konzepte vielen anderen Ländern in aller Welt aufgezwungen. Vor allem ist Joseph Stiglitz aber besorgt darüber, wie die Welt am Ende der aktuellen Krise aussehen wird. Denn nach deren Ende werden den Staaten erheblich weniger Ressourcen zur Bewältigung der Probleme zur Verfügung stehen, die schon vor der Krise akut waren, wie zum Beispiel der Klimawandel.

Joseph Stiglitz hofft, dass die Krise zu Veränderungen im Bereich der Politik und im Bereich des Denkens führen wird. Seiner Meinung nach hätte man erwarten können, dass sich mit der Krise von 2008 die Debatte über den Marktfundamentalismus erledigt hätte. Der Marktfundamentalismus steht für die Überzeugung, dass freie Märkte von selbst wirtschaftlichen Wohlstand und Wirtschaftswachstum hervorbringen. Man hätte auch meinen können, dass niemand mehr auf die Idee käme zu behaupten, dass sich Märkte von selbst regulieren und dass das eigennützige Verhalten der Marktteilnehmer die Funktionstüchtigkeit der Märkte garantiert.

Idelogien und Interessen bestimmen die Wirtschaftspolitik

Ein Volkswirt betrachtet gemäß Joseph Stiglitz Krisen in der gleichen Weise, in der ein Arzt krankhafte Veränderungen betrachtet: Beide erfahren anhand gestörter Funktionsabläufe eine Menge über normale Prozesse. Die Krise von 2008 war bei weitem nicht die erste große Krise in den letzten Jahren. Joseph Stiglitz erklärt: „So ist es etwa mit beunruhigender Regelmäßigkeit zu Krisen in Entwicklungsländern gekommen – nach einer Zählung waren es zwischen 1970 und 2007 insgesamt 124.“

Joseph Stiglitz ist davon überzeugt, dass praktisch alle wirtschaftspolitischen Entscheidungen, wie etwa jene, die mit der Deregulierung zusammenhängen, von politischen und ökonomischen Kräften – Interessen, Ideen, Ideologien – ins Werk gesetzt werden, die sich nicht auf bestimmte Einzelpersonen reduzieren lassen. Deswegen hat es seiner Meinung auch wenig Sinn, mit dem Finger auf diesen oder jenen Politiker, Amtsträger oder Finanzmanager zu zeigen, die die Welt in die gegenwärtige Krise hineinmanövrierten.

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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