Robert J. Shiller analysiert den schillernden Begriff der Schulden

Robert J. Shiller analysiert den schillernden Begriff der Schulden

Einfache Finanzbegriffe wie Schulden sind in der Sprache von tiefgreifenden Verflechtungen durchdrungen. Handelt es sich dabei um Staatsschulden, werden sie allem Anschein nach mit patriotischen Glauben an die eigene Regierung in Verbindung gebracht. Robert J. Stiller ergänzt: „Handelt es sich aber um unsere eigenen Schulden, wird das Wort reflexartig negativ besetzt, selbst wenn Schulden in der modernen Wirtschaft eine maßgebliche Rolle spielen.“ Indem man allerdings die zum Kauf einer Immobilie aufgenommenen Schulden als Hypothek bezeichnet, ändert sich laut Robert J. Shiller das gesamte Denkmodell, denn plötzlich stellen sich die Menschen die Schulden in gewissem Sinn als Teil der Immobilie vor, und schon werden sie für Personen akzeptabel, die sonst nie Schulden machen würden. Robert J. Shiller lehrt Wirtschaftswissenschaften an der Yale University und zählt zu den einflussreichsten Vordenkern in der globalen Wirtschaft. Seit Jahren wird er als einer der Topanwärter für den Wirtschaftsnobelpreis gehandelt.

Schulden sollen flexibel sein und auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagieren

Robert J. Shiller plädiert dafür, Schulden von Anfang an mit verschiedenen wirtschaftlichen Szenarien zu verknüpfen und nicht nur die Inflationsrate heranzuziehen. Denn Verbindlichkeiten sollten seiner Meinung nach flexibel sein und auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen reagieren. Robert J. Shiller schlägt vor: „So sollten Hypothekenschuldner in ihrem ursprünglichen Darlehensvertrag eine Umschuldung vorsehen. Die von mir angedachte Hypothekenvariante sieht eine laufende Veränderung der Bedingungen für den Fall einer Kontraktion der Wirtschaft oder eines Rückgangs der Immobilienpreise vor.“

Robert J. Shiller behauptet, dass wenn im Jahr 2007 solche Hypotheken üblich gewesen wären, es wahrscheinlich keine Finanzkrise gegeben hätte. Doch zur ihrer Umsetzung wurden bisher nur zögerliche Vorstöße unternommen. Robert J. Shiller sieht einen Grund dafür, dass die Menschen kulturell stark in der einfachen Vorstellung verhaftet sind, dass ein Schuldner dem Gläubiger die Rückzahlung aus der Perspektive der zur Verfügung stehenden Sprache in möglichst einfachen Worten versprechen sollte.

Viele Menschen sichern sich nicht gegen eingegangene Risiken ab

Ihre Risikobereitschaft kann Menschen dazu verleiten, Risikosignale zu missachten, dem Herdentrieb zu verfallen, in „Blasen“ zu investieren und sich dafür zu überschulden. Robert J. Shiller fügt hinzu: „Der Impuls zu Konventionellem und Vertrautem wiederum kann bewirken, dass die Menschen keine Vorkehrungen treffen, um sich gegen eingegangene Risiken abzusichern.“ Wenn jemand auf herkömmliche Art oder auch im Internet einen größeren Kredit aufgenommen hat, kann laut Robert J. Shiller jede noch so geringe Verschlechterung seines wirtschaftlichen Geschicks zur Katastrophe führen.

Denn es kommt zur Hebelung der bestehenden Verschuldung, die ihrerseits nicht zurückgeht. Steigen die Verbraucherpreise außerdem nicht so stark wie erwartet, was laut Robert J. Shiller in Wirtschaftskrisen gewöhnlich der Fall ist, erhöht sich dadurch de facto der reale Wert der unveränderten Schulden, was die Lage noch verschärft. Robert J. Shiller stellt fest: „Solche Fehler werden immer wieder bereitwillig begangen, weil die Einrichtung der Verschuldung in der einen oder anderen Form eine so einfache und natürliche ist.“

Von Hans Klumbies

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