Werner Sombart erklärt den Kapitalismus

Werner Sombart erklärt den Kapitalismus

In seinem Hauptwerk „Moderner Kapitalismus“ beschreibt Werner Sombart die Entstehung des Kapitalismus von seinen Anfängen bis zur Moderne. Er beginnt bei der vorkapitalistischen Gesellschaft des Mittelalters, erklärt den europäischen Frühkapitalismus und erforscht schließlich den Hochkapitalismus, der für ihn von der industriellen Revolution bis ins Jahr 1914 reicht. Die Anzeichen für Alterserscheinungen des späten Kapitalismus waren für Sombart unter anderem die Anfänge des Wohlfahrtstaats und die Entstehung von Kartellen.

Jede Wirtschaft wird von einer Wirtschaftsgesinnung bestimmt

Werner Sombart versuchte das Phänomen unterschiedlicher Wirtschaftsformen durch eine Abfolge und durch die Veränderung unterschiedlicher Wirtschaftssystem zu erklären, indem er Theorie und Geschichte miteinander verknüpfte. Unter Werner Sombarts frühen Arbeiten ragt seine Dissertation von 1888, eine sozialökonomische Studie über die römische Campagna, heraus. Sie weist auf die Belastung der Bauern durch einen rückwärtsgewandten Großgrundbesitz hin und führt aktuelle Probleme auf historische Ursachen zurück.

Werner Sombart vertrat die These, dass es in jeder Wirtschaft eine bestimmte Wirtschaftsgesinnung gäbe, die alle Wertvorstellungen, Zwecksetzungen und Maximen umfasst, die in den Personen lebendig werden, die die Wirtschaft gestalten. Die Wirtschaftsprinzipien unterscheidet er einerseits nach Bedarfsdeckungs- und Erwerbsprinzip, andererseits nach traditionalistischer oder rationalistischer Wirtschaftsführung. Bei der Technik trennt er zwischen empirischen und rationellen sowie rationellen und wissenschaftlichen Verfahren. Die Organisation gliedert sich laut Sombart nach dem Charakter der Lenkung des Arbeitsprozesses und der Verteilung.

Werner Sombart kritisiert die Verstehende Nationalökonomie

Der Ökonom ist der Meinung, dass sich ein besonderes Wirtschaftsleben auf einer Anzahl geistiger und materieller, natürlicher und künstlicher Gegebenheiten aufbaut. Hierzu gehören vor allem die Kulturbedingungen, wozu er die Bildung des Menschen zählt. Das Wirtschaftssystem definiert Werner Sombart als eine bestimmte Organisation des Wirtschaftslebens, innerhalb derer eine bestimmte Wirtschaftsgesinnung herrscht und eine bestimmte Technik angewendet wird.

Werner Sombart publizierte neben seinem Hauptwerk eine Reihe von vorbereitenden und ergänzenden Studien, die sich beispielsweise mit der Luxusnachfrage und deren Wirkung auf die kapitalistische Entwicklung beschäftigten. Außerdem schrieb er über den bürgerlichen Unternehmer in „Der Bourgeois“ und ein Werk „Über die Juden und das Wirtschaftsleben“. Das zuletzt genannte war ein Gegenstück zu Max Webers Analyse des Puritanismus, die er als eine bewegende Kraft für die Entstehung des Kapitalismus ansah. Der Wissenschaftler Friedemann Schmoll kritisierte das an zweiter Stelle genannte Buch als offen antisemitisch. Auch Massimo Ferrari Zumbini verweist in seinem Werk „Jews“ von 2003 auf antisemitische Stereotypen in Werner Sombarts Schriften.

In seiner Schrift über „Die drei Nationalökonomien“ kritisierte Werner Sombart die Verstehende Nationalökonomie als eine vergebliche Mühe, die zu keiner praktischen Anwendung fähig sei. Die Kulturwissenschaften dagegen bezeichnete er als Ausdruck des einzigen Aristokratismus, dessen die bürgerliche Kultur fähig gewesen sei. Seine Ausführungen stehen in einem deutlichen Widerspruch zur rein theoretischen Nationalökonomie, wie sie beispielsweise von David Ricardo betrieben wurde.

Kurzbiographie: Werner Sombart

Werner Sombart wurde 1863 in Ermsleben im Harz geboren. Mit 25 Jahren promovierte er an der Berliner Universität und erhielt 1890 ein Extraordinariat in Breslau. Erst 27 Jahre später wurde er ordentlicher Professor an der Berliner Universität. Werner Sombart starb 1941 und ist in Dahlem begraben.

Von Hans Klumbies

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