Der Außenseiter der Ökonomie John Kenneth Galbraith

Der Außenseiter der Ökonomie John Kenneth Galbraith

Von dem kanadischen Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith stammt der Satz: „Die moralische Rechtfertigung für Ökonomen liegt in der Frage, ob sie die Welt verbessern können, in der sie leben.“ Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Paul Samuelson hatte einst über ihn gesagt, dass er gar kein richtiger Ökonom sei. Für andere wiederum ist er der wirkliche Stützpfeiler seiner Zunft. Die Meinungen über John Kenneth Galbraith gehen weit auseinander. Von seinen Gegnern wird er als verblendeter Sozialist beschimpft, von seinen Verehrern als großer Visionär gefeiert.

John Kenneth Galbraith forscht über das Versagen der Märkte

Auf den Vorwurf von Paul Samuelson antwortete John Kenneth Galbraith: „Nichts könnte mich weniger berühren. Ich glaube nicht, dass jemand, der nur Ökonom ist und soziale wie politische Gedanken ausklammert, irgendeine Bedeutung für die reale Welt hat.“ Während seines Studiums lernte er als solide Basis die klassische Marktheorie Alfred Marschalls kennen, las die Kritik an den reichen Müßiggängern des Querdenkers Thorstein Veblen und machte sich mit den Schriften von Karl Marx vertraut.

Vor allem aber studierte John Kenneth Galbraith die neuen Ideen des Jahrhundertökonomen John Maynard Keynes. 1934 erhielt der Agrarökonom einen Lehrauftrag von der Harvard-Universität. Hier fand er mitten in der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre sein Forschungsthema: Das Versagen des Marktes und die realitätsfernen Ökonomen, die dem Markt alles durchgehen ließen.

Die Illusion der vollkommenen Märkte

John Kenneth Galbraith kam zu der Erkenntnis, dass wenige Riesenkonzerne die Märkte für die Industriegüter beherrschten, während sich die Bauern auf ihren Wettbewerbsmärkten allen Schwankungen anpassen mussten. Das war die Erklärung dafür, warum die Industriepreise während der Weltwirtschaftskrise stabil blieben. Unternehmen die den Markt beherrschen reagieren laut John Kenneth Galbraith auf sinkende Nachfrage eher mit der Drosselung der Produktion als mit Nachlässen beim Preis. Zudem haben sie Angst davor, dass Preiskämpfe die Markentreue der Konsumenten aufweichen würde.


In seinem Buch „American Capitalism“ demonstrierte John Kenneth Galbraith Anfang der fünfziger Jahre der Öffentlichkeit, wie wenig die Wirklichkeit mächtiger Unternehmen mit der Theorie der vollkommenen Märkte in Einklang zu bringen ist. Weil die Industriegiganten auf die Gegenmacht von Gewerkschaften und anderen Interessengruppen treffen, funktioniert das System trotzdem. John Kenneth Galbraith fordert: „Wo dieses Gleichgewicht nicht besteht, muss der Staat die Gegenmacht stärken.“

John Kenneth Galbraiths Gesellschaft im Überfluss

Das bekannteste Buch John Kenneth Galbraiths trägt den Titel „The Affluent Society“ (Gesellschaft im Überfluss). Der Ökonom schreibt: „Obwohl die moderne Industriegesellschaft die echten Bedürfnisse der Bevölkerung ohne weiteres befriedigen könnte, jagt sie weiter dem Wachstumsziel nach und schafft dafür neue, bis dahin ungeahnte Bedürfnisse.“ Ein hoher Aufwand an Marketing heizt den privaten Konsum an, während die Sozialausgaben auf der Strecke bleiben.

Anfang der siebziger Jahre forderte John Kenneth Galbraith anstelle einer ungezügelten Wettbewerbswirtschaft ein umfangreiches staatliches Planungswesen, um Probleme wie die Entwertung des Geldes, das Auseinanderdriften von Arm und Reich sowie die Umweltzerstörung in den Griff zu bekommen. Außerdem beschäftigte sich der Ökonom mit den Börsen und den Spekulanten. Er schrieb: „Die Menschen lassen sich immer wieder von scheinbar neuen Ideen dazu verleiten, auf höhere Kurse zu spekulieren – bis zum unweigerlichen Zusammenbruch.“

Von Hans Klumbies