Die Nachfrage nach Luxusgütern treibt die Wirtschaft an

Menschen mit viel Geld wollen in der Regel immer mehr besitzen. Damit spornen sie den Erfindergeist an. Das Verlangen nach Luxus war ein Bestandteil der industriellen Revolution  und trug am Ende sogar zum Wohl der Armen mit bei. Schon 1913 erklärt Werner Sombart in seinem Buch „Luxus und Kapitalismus“, dass das Verlangen der Frau nach Luxusgütern und exklusiver Kleidung, eine wichtige Triebkraft auf dem Weg zur Entstehung des Kapitalismus gewesen sei. Unter Kapitalismus verstand Werner Sombart allerdings weniger die Freiheitlichkeit von Märkten, sondern die Globalisierung, die Abstraktheit und den Umfang des modernen Wirtschaftsgeschehens. In den verschiedenen Epochen der Weltgeschichte beurteilten die Menschen den Luxus und den Reichtum in unterschiedlicher Art und Weise.

Mit dem Christentum kam der Sozialneid auf die Welt

So galt beispielsweise in der Antike Reichtum nicht als etwas Anrüchiges, sondern nur dessen Erwerb. Wer Geld verdienen musste, befand sich auf einer der untersten Stufen der sozialen Hierarchie, Geld zu besitzen dagegen, war mit Anerkennung und Ansehen verbunden. Über materielle Ungleichheiten machte man sich im antiken Griechenland keine Gedanken. Mit dem Christentum wurde dagegen der Sozialneid geboren. Jesus sagt in der Bibel: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.“

Im Mittelalter vertrat Thomas von Aquin die These, dass Reichtum als gottgefällig anerkannt werden kann, solange er für den Dienst der Nächstenliebe verwendet wird. Der Reichtum dagegen, der allein der Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse und Wünsche dient, hat im Christentum, in dem die Ethik der Mäßigung das Zepter schwingt, noch nie Anerkennung gefunden. Luxus und Tugend passen für die Christen nicht zusammen, obwohl der Luxusbegriff ein ziemlich relativer ist.

Der Bedarf an Luxus beflügelt den Unternehmergeist

In einer gängigen Definition des Luxus heißt es, dass er nach den herrschenden Konventionen nicht als notwendig gilt und für die große Masse der Menschen nicht zugänglich ist. In der heutigen Zeit ist sogar der Müßiggang in die Etage des Luxus aufgestiegen. Dinge, die für den gewöhnlichen Bürger unerreichbar scheinen, üben dennoch, oder gerade deswegen, eine unglaubliche Anziehungskraft aus. Es gehört zu den Grundzügen des Menschen, dass er immer besser leben will, und mit dem was er sich erarbeitet hat, gegenüber seinen Mitmenschen auftrumpft.

Werner Sombart vertritt in seinem Buch „Luxus und Kapitalismus“ auch die These, dass die Oberschichten durch ihren Bedarf an Luxus den Unternehmergeist beflügelt haben. Er schreibt: „So zeugte der Luxus, der selbst ein legitimes Kind der illegitimen Liebe war, den Kapitalismus.“ Um die ersehnten Luxusgüter wie Schmuck, Gewürze und feinste Stoffe kaufen zu können, musste man einen freien Welthandel einführen. Ohne das Streben der Menschen nach Luxusgütern und ohne eine kapitalistisch geprägte Einstellung bei den Menschen hätte es laut Werner Sombart keine Industrialisierung gegeben.

Von Hans Klumbies

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