Die Lücke zwischen amtlicher und gefühlter Inflation

Die Lücke zwischen amtlicher und gefühlter Inflation

Die Benzinpreise steigen und auch die Lebensmittel werden in Deutschland immer teurer. Da auch die Löhne steigen, befürchten einige Ökonomen die Rückkehr der Inflation. Wie das Statistische Bundesamt Deutschland mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise im Januar 2011 um 1,9 Prozent. Die Kunden an den Kassen der Supermärkten und Tankstellen haben allerdings das Gefühl, das die Teuerungsrate wesentlich höher ist. Es herrscht eine deutliche Diskrepanz zwischen der amtlichen Inflationsrate und der gefühlten Inflationsrate. Hans Wolfgang Brachinger, Professor an der Universität Fribourg in der Schweiz, erklärt: „Die amtliche Inflationsrate ist vor allem deswegen noch nicht so stark gestiegen, weil dort teure langfristige Anschaffungen eine große Rolle spielen.“

Die gefühlte Inflation beträgt in Deutschland heute schon 5,2 Prozent

KapitalismusIm Warenkorb des Statistischen Bundesamts gleichen laut Hans Wolfgang Brachinger die fallenden Preise für Computer und Fernseher den starken Preisanstieg für Energie und Lebensmittel aus. Wenn man nur die Kosten für die häufig gekauften Artikel des täglichen Lebens unter die Lupe nimmt, wie zum Beispiel für Butter, Tomaten oder Kartoffeln, liegt die Inflationsrate in Deutschland seiner Meinung nach schon wesentlich höher. Hans Wolfgang Brachinger entwickelte dafür einen eigenen Index der gefühlten oder wahrgenommenen Inflation. Im Augenblick liegt diese hierzulande bereits bei 5,2 Prozent.

Laut Hans Wolfgang Brachinger gab es einen so großen Unterschied zwischen der amtlichen Statistik und der gefühlten Inflation schon zweimal in der jüngeren Geschichte. Erstens 2002 bei der Einführung der Euros. Er sagt: „Damals nannten die Menschen den Euro gern Teuro, weil viele Produkte des täglichen Lebens teurer wurden.“ Zweitens in den Jahren 2007 und 2008 als die Weltwirtschaftskrise begann. Heute ist der Preisanstieg vor allem damit zu begründen, dass der Verbrauch von Energie und Lebensmitteln in Schwellenländern wie China und Indien stark zunimmt.

Chefvolkswirte rechnen mit steigender Inflation

Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, befürchtet: „Das ist eine dauerhafte Entwicklung, die wird so schnell nicht aufhören.“ Er sagt deshalb einen weiteren Anstieg der amtlichen Inflationsrate in Deutschland auf bis zu vier Prozent voraus. Der Hamburger Agrarökonom Holger Thiele macht noch andere Faktoren für den Preisanstieg bei Lebensmitteln verantwortlich und erklärt: „Schnee und Eis haben im Dezember zu erheblichen logistischen Problemen bei der Beschaffung von frischem Gemüse geführt.“

Auf der einen Seite fördert der billige Euro Deutschlands Export auf der anderen Seite verteuert er die Importe. Im Durchschnitt stiegen die Einfuhren um zwölf Prozent, so stark wie seit 29 Jahren nicht mehr. Andreas Rees, Deutschland –Chefvolkswirt der Unicredit Bank rechnet auch mit einer steigenden Inflation und erklärt: „Viele Unternehmen haben die höheren Einkaufspreise noch nicht an ihre Kunden weitergegeben. Da ist noch einiges in der Inflations-Pipeline.“

Von Hans Klumbies

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